Sarajevo Film Festival

„Inside America“ ist im Rennen um das Herz von Sarajevo, in seinem Ursprungsland Österreich hat er Probleme überhaupt einen Vertrieb zu finden.

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Barbara Eder beim Filmfestival in Sarajevo
Regisseurin Barbara Eder beim Filmfestival in Sarejevo. ©Severin Wurnig

Eine unscheinbare kleine Gasse führt an dem Haus vorbei. Kaum vorstellbar das hier eine Kinoleinwand Platz haben soll, aber dann tut sich eine große Fläche zwischen den Wohnhäusern auf und man befindet sich in einem wunderschönen Open Air Kino. Über 2000 ZuschauerInnen sehen hier jeden Abend Filme beim 16. Sarajevo Film Festival.

Noch während des Krieges, fand 1995 das erste Film Festival in Sarajevo statt. Nach Jahren der Belagerung  und des Leids war der Wunsch groß, wieder Kultur und etwas Normalität in die Stadt zu bringen.  Kinokarten bezahlte man damals noch mit Zigaretten, der inoffiziellen Währung. Heute ist das Sarajevo Film Festival das größte Südosteuropas und zieht jedes Jahr internationale Stars, Regisseurinnen, Regisseure, Produzentinnen und Produzenen an. Der gleichzeitige Cinelink Event hat enorme Bedeutung für die Filmindustrie: hier kommen Ideen und Geld zusammen. Honey/Bal, der heurige Gewinner des Goldenen Bärs in Berlin, fand hier 2008 einen Produzenten.

Freiluftkino beim Filmfestival in Sarajevo. ©Severin Wurnig
Freiluftkino beim Filmfestival in Sarajevo. ©Severin Wurnig

Im Rennen um das Herz von Sarajevo, dem mit 25.000 Euro dotierten Hauptpreis, ist auch ein österreichischer Film. „Inside America“ von der jungen Regisseurin Barbara Eder ist gedreht wie eine Dokumentation, aber eigentlich ist es ein Spielfilm. Sechs Schülerinnen und Schüler im Highschool-Abschlussjahr in Brownsville, an der Grenze zwischen Texas und Mexiko, werden in ihren täglichen Tragödien gezeigt. Es ist kein typischer österreichischer Film. Barbara Eder packt in ihren Abschlussfilm der Wiener Filmakademie ihre eigenen Erlebnisse aus ihrer Zeit als Austauschschülerin und zeigt mit dem Blick von Außen, das Innenleben der Schule und seiner Schüler. Jeden Morgen wird die Flagge stolz gehisst und der amerikanische Traum wird propagiert, aber die Realität ist hart: Drogen, Gewalt, Gangs, Rassismus, Konkurrenz, Aussischtslosigkeit und Armut.

Szene aus "Inside America" ©Severin Wurnig
Szene aus „Inside America“ ©Severin Wurnig

 

Gedreht wurde „Inside America“ mit Laiendarstellern, die selbst Schüler der Hanna High School waren und ihr eigenes Leben in die Rollen einbringen. Der Dreh war ein Abenteuer für sich. Ohne fixes Drehbuch wurde der Film in sieben Wochen mit einem Team aus nur fünf Personen aufgenommen. Die Gangs, Drogen und Szenen waren gestellt, aber zugleich echt und authentisch. „Inside America“ ist ein österreichischer Gangsterfilm, der auf wahren Geschichten baut und der Realität womöglich näher ist als ein Dokumentarfilm.

 

Im März war „Inside America“ ein Erfolg bei der Diagonale, heute wird er in Sarajevo hoch gelobt. Aber trotzdem hat der Film Schwierigkeiten in die österreichischen Kinos zu kommen. Die Verleiher wissen nicht, wie man einen solchen Film vermarkten sollte. Durch die globale Rezession wird verstärkt auf sichere Kassenschlager gesetzt. Die Regisseurin Barbara Eder: „Wir wollen, dass er ins Kino kommt. Das streben wir nach wir vor an. Die Verleihe zögern, weil es einfach kein typisch österreichischer Film ist. Aber für mich ist das auch die Qualität des Films.“

http://www.insideamerica-themovie.com