Grillen in Wien

Was im Herbst der Kürbis, im Winter der Punsch, im Frühling der Bärlauch ist – ist im Sommer die Grillerei. Und auch ohne Balkon und Garten muss man in Wien nicht darauf verzichten.

Klebrig steht die heiße Luft in den engen Gassen der Stadt. Kein Brise erfrischt die hitzegeplagten Städter. Wer das Haus verlässt, schleicht nur äußerst langsam durch die flirrende Hitze. Nur wenige Minuten hält die Abkühlung durch die kalte Dusche an. Ja richtig: Es ist Sommer. Hochsommer.

Wenn das Kochen und Braten in der eigenen Wohnung zur Tortur wird, muss man zur Essenszubereitung raus ins Freie. Gesegnet sind die Wiener und Wienerinnen mit einem Garten oder Balkon. Dort darf, wenn es nicht in der Hausordnung verboten ist, gegrillt werden, insofern die Geruchsbelästigung für die Nachbarn zumutbar ist.

Und für alle mit pingeligen Nachbarn oder Drang ins Grünen gibt es die öffentlichen Grillplätze und –zonen der Stadt. Generell darf nur dort gegrillt werden, wo es explizit erlaubt ist. Weil alles seine Ordnung haben muss, kümmern sich gleich mehrere Magistratsabteilungen um das Grillvergnügen der Bürger. Ein Würstel ist zwar immer ein Würstel, wenn sich aber in dessen Nähe ein Gewässer befindet, wie zum Beispiel auf der Donauinsel, ist die MA 45 Wiener Gewässer dafür zuständig. Befindet sich ein Wald anbei, wie bei der Grillzone in der Krapfenwaldgasse in Döbling oder der Steinbruchwiese in Ottakring, ist das Forstamt (MA 49) zuständig.

15 fix montierte Holzkohlegrillplätze mit Bänken und Tischen gibt es auf der ganzen Donauinsel. Die Auswahl reicht von ruhigen Wiesen, über lauschige Wäldchen und belebten Flecken bis zur urigen FKK-Zone im Süden. WC-Anlagen und Trinkwasser sind meistens direkt in der Nähe. Holz zum Anzünden liefert die Stadt, die Kohle ist selbst mitzubringen. Die Grillplätze müssen im Internet oder über das Grilltelefon reserviert werden. Damit diese dann auch tatsächlich genutzt werden, gibt es eine Hemmschwelle bei der Buchung: Seit einigen Jahren hebt die Stadt eine Gebühr von zehn Euro ein. So soll verhindert werden, dass die Grillplätze reserviert werden und der Termin dann ungenutzt verstreicht. Fast immer sind die Grillplätze weit im Vorhinein ausgebucht. Wer im August Lust auf Spieße, Kotelett und Würstel hat, muss also so schnell wie möglich reservieren.

Spontaner gegrillt werden kann in den Grillzonen auf der Donauinsel (Brigittenauer Bucht, Steinspornbrücke) und bei den Waldgebieten (Alberner Hafen, Auhof Retentionsbecken, Steinbruchwiese, Mittereckwiese, Krapfenwaldgasse, Draschepark). Dort muss weder reserviert noch bezahlt werden – Griller und Kohle sind aber selbst mitzubringen. Wo viele Leute sind – wie an heißen Tagen in den Grillzonen – kommt es auch immer wieder zu Problemen und Konflikten. Deshalb setzt die Stadt eigene Grillplatzmeisterinnen und Grillplatzmeister ein, die neben Deutsch auch die Muttersprachen der größten Wiener Zuwanderergruppen sprechen. Sie sollen so für einen Ausgleich der Interessen sorgen und Konflikten vorbeugen.

Sitzt man nun endlich vor der gegrillten Mahlzeit mit einem kühlen Getränk in der Hand wird mit einem Schlag die anstrengende Hitze zur wunderbaren Sommerfrische. Langsam verschwindet die Sonne hinter dem Kahlenberg, ein leichte Brise kommt auf und die Grillen zirpen. Wenn es heiß ist, gibt es nichts schöneres als das Kochen und Essen ins Freie zu verlagern. (Dominik Wurnig/ wug)

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