Die Köche der Mächtigen – Ein Gipfeltreffen mit Staatsgeheimnissen

Auch Macht geht durch den Magen: Die Köche der Regierungschefs können schon mal ein Staatsbankett retten. Jetzt treffen sich die «Chefs des Chefs» zu einem Gipfeltreffen. Doch die Lieblingsspeisen der Mächtigen bleiben Staatsgeheimnis.

Die Köche der Mächtigen Washington (dpa) – Ulrich Kerz hat eine klare Aufgabe: Angela Merkel kulinarisch zu verwöhnen. Als Chefkoch der Nation bereitet er jeden Tag das Essen für die Bundeskanzlerin zu. Dass da nicht irgendetwas auf den Tisch kommt, versteht sich von selbst. Am liebsten esse sie Fisch aus der Ostsee, saisonales Gemüse und Käse zum Nachtisch, verrät Kerz. Bio soll es schon sein, in der Region gewachsen ebenfalls, und natürlich landestypisch gekocht – damit liegt die deutsche Kanzlerin ganz im Trend.

Jetzt ist Frau Merkel in Urlaub – deshalb durfte ihr Koch auch nach Washington reisen und kann am Gipfeltreffen mit weiteren 19 Amtskollegen teilnehmen. Jedes Jahr versammeln sich die Köche der Kanzler, Könige und Staatsoberhäupter, um Erfahrungen auszutauschen. «Club des Chefs des Chefs» nennen sich die Spitzenköche auf Französisch – der Sprache der internationalen Spitzenküche.

Seit die «G20 der Gastronomie» 1977 in Paris gegründet wurde, gehe der Trend hin zu gesundem, leichtem und vegetarischem Essen, sagt der Gründer Gilles Bragard. «Wer zu viel isst, wer zu viel trinkt, trifft keine weisen Entscheidungen,» meint der Experte.

Cristeta Comerford, die Köchin des US-Präsidenten, gilt als Speerspitze des gesunden Trends. Ihr Brokkoli sei so gut, dass ihn Barack Obama zur Verblüffung vieler kürzlich zu seinem Lieblingsessen erklärt habe. Ihr Geheimnis: Das grüne Gemüse komme frisch aus dem Garten des Weißen Haus. «Wir wollen sicher gehen, dass der Präsident gesund bleibt,» sagt die einzige Frau des Treffens.

Bei den Lieblingsgerichten der Mächtigen geben sich ihre Köche zugeknöpft. Nur zu gut ist in Erinnerung, was passierte, als bekannt wurde, dass der ehemalige französische Präsident Jacques Chirac am liebsten Kalbskopf esse. Darauf trafen aus ganz Frankreich Kalbsköpfe im Élysée Palast ein. Deshalb hüten die Köche der Chefs solche Vorlieben heute wie ein Staatsgeheimnis.

Wenn es um Pannen in der Küche geht, haben die Staatsköche wenig zu berichten. «Man muss schon irgendwie perfekt sein,» meint Kerz. Ein Schneesturm hätte einst fast ein Staatsbankett ruiniert, erzählt sein Kollege aus Kanada, Timothy Wasylko. «Ich hatte nur 40 Minuten Zeit, das Essen zu kochen – eingeplant hatte ich drei Stunden,» berichtet Wasylko. «Am Ende ging alles gut.»

Dass Kochkünste für die Diplomatie wichtig seien, davon sind die Köche der Mächtigen überzeugt. «Wenn sich Menschen über Politik uneins sind, bringt sie ein gutes Essen wieder zusammen,» meint Bragard.

Die Mitglieder der wohl exklusivsten gastronomischen Vereinigung der Welt sehen sich nicht zuletzt als Vertreter der nationalen Küche. So führt Gastgeberin Comerford dieses Jahr die Highlights der amerikanischen Cuisine vor: Bison-Steak, Burger und ein traditionelles Essen, das in einer Scheune serviert wurde. Auch Kerz gab sich ganz bodenständig, als Obama unlängst in Deutschland war: Er servierte weißen Spargel garniert mit grünem Spargel, dazu Schnitzel und als Dessert Beeren.

Geschrieben für die dpa, erschienen unter anderem im General Anzeiger.